Ein Cochrane-Team fand bei der Suche in den medizinischen Datenbanken insgesamt elf Studien, in denen Krebspatienten unter Chemotherapie akupunktiert worden waren (n=1.247). Neben traditioneller Nadelung kamen dabei auch Elektro-Akupunktur, Magneten oder Akupressur zum Einsatz.Die gepoolten Daten zeigten eine Reduktion der Inzidenz von akutem Erbrechen am ersten Tag nach der Chemo um 18 Prozent (p=0,04), aber keine statistisch signifikante Abnahme des Auftretens oder der Intensität von Übelkeit.
Beim Vergleich der verschiedenen Methoden waren einfache Nadeln am besten wirksam: 26 Prozent weniger akutes Erbrechen, jedoch kaum Einfluss auf die Übelkeit. Elektro-Akupunktur reduzierte akutes Erbrechen etwas weniger um 24 Prozent und war ebenfalls ohne Einfluss auf spätere Beschwerden und Übelkeit.
Einzig erfolgreiches Mittel gegen Übelkeit war die Akupressur (durch den geschulten Patienten), die das Auftreten akuter Beschwerden um 19 Prozent reduzierte. Gegen Erbrechen konnte Akupressur hingegen nichts ausrichten. Nicht-invasive Elektrostimulation der Akupressur-Punkte zeigte keinerlei Wirkungen. In allen Studien wurde die Akupunktur zusätzlich zur medikamentösen Therapie eingesetzt.
Die Reviewer halten einen biologischen Effekt der Akupunktur auf die Inzidenz von Erbrechen nach einer Chemotherapie für bestätigt. Allerdings kamen in den Studien zur Elektro-Akupunktur keine State-of-the-Art-Antiemetika (5-HT3-Hemmer) als Co-Medikation zum Einsatz, weshalb deren Erfolge mit Vorbehalt zu betrachten sind. Ein gutes Mittel gegen Übelkeit scheint die vom Patienten selbst durchgeführte Akupressur zu sein, die entsprechende Technik sollte ihm routinemäßig beigebracht werden, so das Fazit.
JN
Quelle: Ezzo JM, Richardson MA, Vickers A. et al: Acupuncture-point stimulation for chemotherapy-induced nausea or vomiting. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2.

