Die genaue Ursache einer Entzündung des Wurmfortsatzes ist trotz enormer Inzidenz von sieben bis neun Prozent der Bevölkerung noch immer unklar. Die gängigste Theorie ist jene einer Obstruktion des Appendix durch Kotsteine, die den Ausfluss seiner Sekrete verhindert. In der Folge steigt der intraluminale Druck und es kommt zu mukosaler Ischämie; Darmbakterien vermehren sich in der gestauten Flüssigkeit. Standardbehandlung ist dann die chirurgische Appendektomie. Clinical Evidence hat auch die anderen Therapieoptionen in Hinblick auf ihre Evidenz bewertet.Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerden einer klar diagnostizierten Blinddarm-Entzündung von selbst verschwinden, liegt bei etwa acht Prozent. Doch Studien, die den Outcome von Appendektomie mit Placebo verglichen haben, fehlen natürlich aus ethischen Gründen. Beim Vergleich der OP mit konservativer antibiotischer Therapie ergab sich - sehr limitierte - Evidenz dafür, dass ohne Operation zwar weniger Schmerzen entstehen und Analgetika verbraucht werden, aber ein Drittel der Patienten innerhalb eines Jahres mit einer weiteren Blinddarmentzündung eingeliefert wird.
Für Clinical Evidence ist die chirurgische Blinddarm-Entfernung jedenfalls "sicher nützlich" und evidenzbasiert, ebenso wie die begleitende Antibiose. Während bei Erwachsenen Antibiotika in placebokontrollierten Studien sowohl bei komplizierten als auch bei unkomplizierten Entzündungen Wundinfektionen und Abszesse verhinderten, könnte der Benefit bei Kindern auf die komplizierten Fälle beschränkt sein.
Evidenz für’s Schlüsselloch?
Die laparoskopische Appendektomie ist gegenüber dem offenen Eingriff bei Erwachsenen mit weniger Wundinfektionen und postoperativen Schmerzen sowie kürzerem Spitalsaufenthalt verbunden. Das Risiko von intraabdominellen Abszessen ist jedoch etwas erhöht, weshalb Nutzen und Schaden der Lap.-Appendektomie gegeneinander abgewogen werden müssen. Bei Kindern gibt es eingeschränkte Evidenz dafür, dass der laparoskopische Zugang ebenfalls Wundinfektionen verhindert und die Hospitalisierung verkürzt, aber auf postoperativen Schmerz und sonstige Komplikationen keinen Einfluss hat.
JN
Quelle: John Simpson, David Humes, William Speake: Appendicitis. In: Clinical Evidence 2006;15:1-2.

