In den westlichen Industrienationen ist das "Kiffen" die mit Abstand beliebteste Form des illegalen Rausches. Entsprechend häufig sind Suchterkrankungen infolge des Konsums. Doch trotz hoher Prävalenz sind Interventionen, die beim Ausstieg aus der Sucht helfen könnten, wissenschaftlich kaum untersucht. Ein Team der Cochrane Collaboration hat nun sämtliche verfügbaren Daten in einem systematischen Review zusammengeführt.Nur sechs randomisierte, kontrollierte Studien (RTCs) mit insgesamt 1.297 Teilnehmern waren qualitativ gut genug für eine Aufnahme in das Review. Fünf davon kamen aus den USA, eine aus Australien. Die Zusammenführung der Daten war wegen der sehr heterogenen Studiendesigns und der stark unterschiedlichen Auswahl der Teilnehmer jedoch nicht möglich.
Einheitlich zeigten die Studien eine günstige Wirkung der angebotenen Beratung (kognitive Verhaltenstherapie, einzeln und in der Gruppe) auf die Abhängigkeit und die assoziierten Probleme. Eine längere kognitive Verhaltenstherapie hatte dabei größere Erfolge als Kurzinterventionen zur Motivationssteigerung. In zwei Studien konnte die Abstinenzrate erhöht werden, wenn Belohnungen in Form von Gutscheinen zusätzlich eingesetzt wurden. Insgesamt war die Zahl der Patienten, die ihre Sucht dauerhaft überwanden, aber sehr niedrig.
Die geringe Zahl verwertbarer Studien und ihre ernüchternden Erfolgsquoten zeigen für die Reviewer neben einem dringenden Forschungsbedarf auch die enormen Schwierigkeiten in der Behandlung einer Cannabis-Abhängigkeit.
JN
Quelle: Denis C, Lavie E, Fatséas M, Auriacombe M: Psychotherapeutic interventions for cannabis abuse and/or dependence in outpatient settings. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

