Wenn in offenen Wunden gewühlt wird, ist Hygiene das oberste Gebot und Prophylaxe durch chirurgische Handwäsche und Handschuhe selbstverständlich. Umsichtige Operateure verwenden oft ein zweites Paar, um gegen leichte Schnittverletzungen gewappnet zu sein. Insbesondere bei Operationen mit scharfen Oberflächen wie im Mundbereich oder in der Orthopädie besteht die Gefahr von Latex-Rupturen. Ein Cochrane-Review überprüfte den Benefit der Vorsichtsmaßnahme nun anhand der Studienlage.Erst zwei randomisierte, kontrollierte Studien haben bislang einfache Handschuhe gegen doppelten Schutz hinsichtlich des Auftretens von Wundinfektionen verglichen. Da aber in keiner ihrer Gruppen Infektionen auftraten, blieben beide Arbeiten ohne Ergebnis. Immerhin 31 Studien untersuchten die Operationshandschuhe nach dem Eingriff auf winzige Perforationen. Dabei zeigte sich eine viermal höhere Gefahr des Einreißens, wenn nur ein einzelnes Paar Handschuhe getragen wurde. Die doppelt geschützten Chirurgen fühlten sich bei ihrer Arbeit nicht behindert.
Noch sicherer war das Tragen von rot gefärbten Indikator-Handschuhen als unterste Lage. Durch den Farb-Alarm konnten Verletzungen der inneren Latexschicht um 90 Prozent reduziert werden. Ebenfalls deutliche Reduktion des Perforationsrisikos wurde mit Spezial-Handschuhen erreicht, bei denen zwischen zwei Latex-Schichten eine Stoffschicht eingearbeitet ist.
Evidenzbasierter Spitzenreiter in Sachen Reißschutz: Das Tragen von DREI Paar handelsüblichen Latex-Handschuhen. Das Risiko des Einreißens der innersten Schicht wird so um den Faktor 69 verringert.
JN
Quelle: Tanner J, Parkinson H: Double gloving to reduce surgical cross-infection. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

