Exazerbationen einer COPD sind oft durch Bakterien verursacht - aber nicht immer. Auch Viren bevölkern gerne den oberen Respirationstrakt der chronisch obstruktiv Lungenkranken. Und manchmal ist der Husten einfach ein Husten.Wie bei der Bronchitis des ansonsten Gesunden stellt sich also die Frage: Antibiotika - ja oder nein? Denn gerade bei den COPD-Patienten sind multiresistente Erreger, herangezüchtet durch regelmäßige Antibiosen, ein zunehmendes Therapieproblem.
Mitarbeiter der Cochrane Collaboration suchten zuletzt nach Studien, die den Wert von Antibiotika im COPD-Management getestet hatten; elf randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 971 Patienten mit milder bis moderater COPD wurden in einer Metaanalyse zusammengeführt. Eine Exazerbation galt als anzunehmen, wenn der Patient vermehrt hustete und reichlich purulentes Sputum produzierte.
Zurückhaltung trotz Benefit
In der Zusammenschau reduzierten Antibiotika - ungeachtet des Wirkstoffes - das Mortalitätsrisiko um 77 Prozent (Numbers Needed to Treat/NNT: 8) und die Gefahr eines Therapieversagens um 53 Prozent (NNT: 3). Die Wahrscheinlichkeit, dass das Sputum auch unter der Behandlung weiterhin seine grün-gelbliche Färbung behielt, verringerte sich um 44 Prozent (NNT: 8). Bezahlt wurde wie erwartet mit einer erhöhten Inzidenz von Diarrhoen.
Die EBM-Experten geben sich trotz des überzeugenden Benefits weiter zurückhaltend: Die Patientenauswahl der Studien sei sehr unterschiedlich gewesen, ebenso wie die eingesetzten Antibiotika und Co-Medikationen. Zumindest für die mittel bis schwer kranken COPD-Patienten halten sie den Einsatz von Antibiotika aber für evidenzbasiert.
JN
Quelle: Ram FSF, Rodriguez-Roisin R, Granados-Navarette A et al: Antibiotics for exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2.

