Vor allem in den USA hat Dehydroepiandrosteron (DHEA) in den letzten Jahren nahezu den Status eines Wundermittels erlangt - aufgrund eines scheinbaren Zusammenhangs, der allerdings auch eine zufällige Koinzidenz von Ereignissen sein könnte.Bei jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts ist der Blutspiegel des Sexualhormons hoch, um mit zunehmenden Lebensjahren immer weiter abzusinken. Weil sich im Alter bei vielen Menschen auch gewisse kognitive Defizite einstellen, wurde die Vermutung laut, dass diese Entwicklung etwas mit der sistierenden DHEA-Produktion in den Nebennieren zu tun haben könnte. Beziehungsweise kam es zu der Annahme, dass sich die geistige Leistungsfähigkeit durch Substitution von DHEA verbessern oder zumindest erhalten lassen könnte.
Die Cochrane Collaboration registrierte eine "wachsende öffentliche Begeisterung für DHEA" und nahm dies zum Anlass, nach randomisierten kontrollierten Untersuchungen (RCTs) zum Thema zu suchen. Dabei mussten die EBM-Experten zunächst einmal feststellen, dass sich die Studienlage insgesamt als sehr dürftig erweist: Summa summarum fanden sie gerade einmal drei RCTs, die sich mit den Effekten von Dehydroepiandrosteron auf über 50-Jährige beschäftigten. Und keine dieser Studien konnte einen Beleg dafür finden, dass die DHEA-Gabe positive Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit der eingeschlossenen Probanden zeigte.
Bei ihrem vorläufigen Urteil wollen sich die Autoren allerdings nicht zur völligen Disqualifizierung des "Wundermittels" hinreißen lassen. Es sei durchaus möglich, dass sich der theoretische neuroprotektive Effekt von DHEA erst bei längerer Behandlung offenbart. Um dies zu untersuchen, seien größere Studien erforderlich.
UK
Quelle: Grimley Evans J, Malouf R, Huppert R, van Niekerk JK: Dehydroepiandrosterone (DHEA) supplementation for cognitive function in healthy elderly people. In: Cochrane Database of Systematic Reviews (4) 2006.

