Etwa sechs Prozent der über 65-Jährigen und fast ein Drittel der 90-Jährigen leiden unter nachlassender Hirnleistung, jeweils etwa zur Hälfte unter Morbus Alzheimer oder vaskulärer Demenz. Auch hundert Jahre nach der Erstbeschreibung durch Alois Alzheimer ist die genaue Ursache des progredienten, globalen und irreversiblen Abbaus der zerebralen Funktion noch unklar. Der zugrundeliegende pathologische Prozess ist wahrscheinlich die Ablagerung eines abnormalen Amyloids im Gehirn - doch Medikamente, die genau dies spezifisch zu verhindern mögen, fehlen.
Dennoch ist die Liste bei Demenzen eingesetzter Wirkstoffe recht lang. EBM-Experten von Clinical Evidence haben diese aufgrund der Studienlage von nützlich bis wahrscheinlich unwirksam sortiert.
Gute Evidenz der Wirksamkeit in Bezug auf die kognitive Funktion fand sich für zwei nützliche Medikamente:
- Donepezil verbessert die kognitive Funktion und den Allgemeinzustand von Alzheimer-Patienten über zwei Jahre. Auch bei vaskulärer Demenz war Donepezil deutlich wirksamer als Placebo im Beobachtungszeitraum von sechs Monaten.
- Galantamin bessert kognitive Funktion und den Allgemeinzustand (AZ) bei vaskulärer und Alzheimer-Demenz über sechs Monate.
Etwas weniger Studiendaten, aber dennoch positive Ergebnisse, unterstützen die Behandlung mit folgenden beiden Medikamenten - Beurteilung: wahrscheinlich nützlich:
- Memantin stützt die Gedächtnisleistung, AZ und Aktivitäten des täglichen Lebens bei Alzheimer-Patienten über einen Beobachtungszeitraum von 28 Wochen. Bei vaskulärer Demenz konnten ebenfalls eine Besserung der kognitiven Funktion über 28 Wochen gezeigt worden.
- Gingko biloba hat sich in kleineren Studien als wirksam zur Verbesserung der kognitiven Funktion erwiesen - aber die Konzentration des Pflanzenwirkstoffs in den verschiedenen Präparaten ist sehr unterschiedlich.
Wegen hoher Nebenwirkungsraten ist nach Ansicht der EBM-Experten beim Einsatz von Rivastigmin und Tacrin zwischen Schaden und Nutzen im Einzelfall abzuwiegen. Hier bessert sich die kognitive Funktion oft auf Kosten der gastro-intestinalen.
Wegen fehlender qualitativ hochwertiger Studien können folgende Optionen nicht bewertet werden - von unbekanntem Nutzen sind:
- Musiktherapie
- Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR)
- Omega-3-Fettsäuren
- Physiostigmin
- Selegilin
- Statine
Studien mit Östrogen haben keine positiven Effekte auf Gedächtnis und Kognition gezeigt. Eine Hormon-Ersatz-Therapie (HET) aus diesem Grund ist also nicht empfehlenswert.
JN
Quelle: Warner J, Wuntakal B: Dementia. In: Clinical Evidence 2006;15:1-3.

