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Übelkeit in der Frühschwangerschaft



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Übelkeit in der Frühschwangerschaft

Die Freude über den Nachwuchs wird bei vielen Schwan­geren durch Übelkeit und Erbrechen getrübt. Trotz relativ dünner Studienlage hält ein aktuelles Review einen evidenzbasierten Tipp für Besserung bereit.

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Probleme in der Früh­schwangerschaft: 70 Prozent der Schwangeren leiden darun­ter, meist ab der vierten bis siebenten Woche. Entgegen der landläufigen Meinung kann die so genannte "Morgenübelkeit" dabei zu jeder Zeit des Tages auftre­ten und auch 24 Stunden anhal­ten. Bei 90 Prozent verschwinden die Beschwerden dann wieder bis zur 16. Woche.

Der Zustand kann wegen seiner Häufigkeit und guten Prognose fast schon als "normales Übel" verstanden werden und benötigt meist keine spezifische Therapie. Bei einer von 200 Schwangerschaften ist das Er­brechen jedoch so stark, dass die Kriterien einer Hyperemesis gravi­darum mit Elektrolyt-Verschiebungen, Dehydrierung und Ernährungs­problemen erfüllt sind. Clinical Evidence hat die spezifischen Therapie­optionen nach ihrer Evidenz sortiert.

In der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen ohne Laborver­änderungen fand sich am meisten positive Evidenz für die Gabe von Ingwer nach fernöstlicher Tradition. In zwei randomisierten, kontrol­lierten Studien (RCTs) war die Wurzel einem Placebo signifikant über­legen. Ein weiterer RCT bescheinigte Ingwer eine Besserung der Übel­keit, aber keine Reduktion des Erbrechens.

Für wahrscheinlich nützlich hält Clinical Evidence folgende Interventionen:
  • Akupressur - ein systematisches Review fand eine Reduktion der Morgenübelkeit im Vergleich mit Schein-Akupressur. Drei weitere RCTs ergaben eine Verkürzung der Übelkeit, aber keine Veränderung in Hinblick auf deren Intensität sowie auf Erbrechen.
  • Antihistaminika (H1-Antagonisten) - zwei systematische Re­views zeigten eine Besserung von Übelkeit und Erbrechen gegenüber Placebo ohne Zeichen von Teratogenität.
  • Pyridoxin (Vitamin B6) - systematische Reviews fanden gute Wirkung in Bezug auf die Übelkeit, aber keine Besserung des Erbrechens. Für eine Fruchtschädigung gibt es keine Hinwei­se. Ein direkter Vergleich von Pyridoxin und Ingwer fand kei­nen Unterschied zwischen den Wirkstoffen.

Weniger Evidenz oder widersprüchliche Ergebnisse liegen für folgende Interventionen vor, die daher nur von unbekanntem Nutzen sind:
  • Akupunktur - die Nadelung wirkte in zwei RCTs gut gegen Übelkeit und Erbrechen - ebenso gut wirkte allerdings die Schein-Akupunktur.
  • Ernährungsumstellung - bislang wurden noch keine Diäten oder Nahrungsergänzungen (außer Ingwer) in Studien untersucht.
  • Phenothiazin - ein Review fand keinen Unterschied zu Place­bo.

Die seltenere Hyperemesis gravidarum wurde bislang kaum un­tersucht. Zu den verschiedenen Therapien liegen nur kleine RCTs vor, deren tatsächliche Wirksamkeit daher noch nicht beurteilt werden kann.

Von unbekanntem Nutzen sind:
  • Akupunktur - eine kleine Crossover-Studie zeigte schnellere Unterbrechung der Übelkeit und Reduktion des Erbrechens gegenüber Schein-Akupunktur.
  • Corticosteroide - Prednisolon hatte in zwei kleinen RCTs keinen Einfluss auf Erbrechen oder Hospitalisierung. Ein weiterer - kleiner - RCT fand keinen Unterschied zwischen Prednisolon und dem Antihistaminikum Promethazin bei der Symptombesserung, aber weniger Hospitalisierungen unter Prednisolon. In einer darauffolgenden Untersuchung wirkte das Kortikoid zwar weniger schnell als das Antihistaminikum, bei verlängerter Therapie aber ebenso gut, bei weniger Nebenwirkungen.
  • Diazepam - ein sehr kleiner RCT ergab nur unzureichende Evidenz.
  • Ernährungsumstellung - keine Evidenz
  • Ingwer - keine Evidenz bei Hyperemesis gravidarum
  • Ondansetron - nur unzureichende Evidenz

Unter dem Strich scheint den betroffenen Frauen mit einer Ingwer-Knolle am besten geholfen zu sein. Darüber hinaus können Sie mit folgender - evidenzbasierter - Information für gute Stimmung sorgen: Ein systematisches Review (sechs Studien mit 14.564 Schwangeren) zeigte, dass bei Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft das Risiko einer Fehlgeburt um 64 Prozent verringert ist.

JN

Quelle: Mario Festin: Nausea and vomiting in early pregnancy. In: Clinical Evidence 2006;15:1-2.

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