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Neuraminidase-Hemmer: Fraglicher Grippeschutz?

Neuraminidase-Hemmer sind in Zeiten der Vogelgrippe ein Renner in den Apotheken. Ein aktuelles Cochrane-Review untersuchte, wie gut ihre Schutzwirkung gegen Influenza wirklich ist.

Immer wenn ein toter Vogel in einem österreichischen See ge­funden wird, schnellen die Ab­sätze der Neuraminidase-Hem­mer in die Höhe. Bekannter­maßen helfen Zanamivir und Oseltamivir bei frühzeitiger Ein­nahme und erwiesener Infektion mit dem Influenza-Virus, die Symptome zu verkürzen. Aber helfen sie auch dabei, die Ansteckung zu verhindern? Ein Cochrane-Review ging der Frage nach.

Vier Studien zur Vorbeugung, 13 zur Behandlung und vier Post-Expo­sitions-Studien haben Neuraminidase-Hemmer bisher mit Placebo ver­glichen. In der Prophylaxe hatten die Medikamente dabei keinen Einfluss auf das Auftreten von Grippe-ähnlichen Erkrankungen. Das relative Risiko für Erkältungen (ohne Nachweis des Erregers) war unter der Medikation sogar leicht erhöht (RR 1,28 mit oralem Osel­tamivir 75mg; RR 1,51 mit inhalativem Zanamivir 10mg; bd. nicht signifikant).

Das Erkrankungsrisiko für eine echte, symptomatische Grippe konnte mit Oseltamivir 75mg um 61 Prozent gesenkt werden (73 Prozent mit 150mg), unter Zanamivir trat Influenza um 62 Prozent seltener auf. Beide Neuraminidase-Hemmer hatten keinen Einfluss auf asympto­matische Influenza-Infektionen.

In der Post-Expositions-Prophylaxe senken Neuraminidase-Hemmer das Ansteckungsrisiko unter Haushalts-Mitgliedern von Grippe-Patienten um 58 Prozent. Das Risiko einer symptomatischen Erkrankung beim flüchtigen Kontakt mit Infizierten (z.B. in der Ordi­nation) sinkt durch die anschließende Einnahme um 89 Prozent.
Durch frühzeitige Gabe der Neuraminidase-Hemmer bei ersten Symptomen verkürzte sich die Krankheitsdauer signifikant. Kompli­kationen des unteren Respirationstraktes konnten um 68 Prozent reduziert werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Medika­mente gehören Übelkeit und Erbrechen (v.a. Oseltamivir) sowie Durchfälle (v.a. Zanamivir).

Wegen ihrer eher geringen Effektivität empfehlen die Reviewer die Neuraminidase-Hemmer nicht zum routinemäßigen Schutz vor der saisonalen Influenza. Im Falle einer schweren Epidemie oder Pandemie sollten die Medikamente von exponierten Personen gemeinsam mit wei­teren Schutzmitteln (Masken, Handschuhe), Hygiene- und Quaran­täne-Maßnahmen eingesetzt werden.

Ob Neuraminidase-Hemmer auch gegen die Vogelgrippe wirksam sind, kann bislang nur vermutet bzw. erhofft werden. Entsprechende Stu­dien liegen noch nicht vor.

JN

Quelle: Jefferson TO, Demicheli V, Di Pietrantonj et al: Neuraminidase inhibitors for preventing and treating influenza in healthy adults. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

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