Eine von fünf Frauen im gebärfähigen Alter leidet unter besonders heftigen Blutungen. Die Hypermenorrhoe ist damit die häufigste Ursache von Anämie und schränkt die Lebensqualität der ansonsten gesunden prämenopausalen Frauen in zum Teil beträchtlichem Ausmaß ein. Ursache sind meist Myome oder Polypen, seltener steckt eine hormonelle Dysregulation hinter den Beschwerden. Therapeutisch stehen Gynäkologen eine Hormontherapie mittels Pille oder Spirale (intra-uterine-device / IUD) und Operationen von Ablation bis Hysterektomie zur Verfügung. EBM-Experten der Cochrane-Library haben nun in einer Analyse sämtlicher Interventionsstudien die Methode mit den höchsten Erfolgsaussichten identifiziert.
Operation oder Medikation?
Insgesamt fanden sich acht randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs), die verschiedene operative Verfahren mit medikamentöser Therapie verglichen hatten. In zwei RCTs konnten Blutung und weitere Symptome durch die Operation am zuverlässigsten gestoppt werden. Auch die Lebensqualität der Patientinnen vier und sechs Monate nach dem Eingriff war besser als unter einer oralen Hormontherapie.
In den beiden Studien wurde den teilnehmenden Frauen erlaubt, bei Unzufriedenheit in die andere Gruppe zu wechseln - und am Ende des zweijährigen Follow-up hatten sich 58 Prozent aus der Hormon-Gruppe ebenfalls für die Hysterektomie entschieden. Die endgültige Blutstillung per OP wurde jedoch mit hoher Komplikationsrate von knapp 30 Prozent erkauft.
Ausschabungen konnten in fünf Studien Blutungen effektiver stoppen als eine Hormonspirale; hinsichtlich Therapie-Zufriedenheit und Lebensqualität zeigte sich jedoch kein Unterschied in den Gruppen. Beim Vergleich von Hysterektomie mit Hormonspirale ergab sich ebenfalls kein Unterschied in punkto Lebensqualität und Zufriedenheit. Mit Hilfe des IUD konnte aber 58 Prozent der Frauen aus der Hormon-Gruppe die Operation erspart werden. Dies wirkte sich auch auf die Behandlungskosten aus, die mit IUD nach fünf Jahren Follow-up 40 Prozent unter denen einer Hysterektomie liegen.
Die Reviewer kommen zu dem Schluss, dass operative Verfahren - speziell die Hysterektomie - menstruelle Blutungen am zuverlässigsten zum Stillstand bringen. Komplikationen sind jedoch häufig und teilweise lebensbedrohlich. IUDs, die Hormone freisetzen, erreichen eine ebenso hohe Zufriedenheit und Lebensqualität. Mit einer oralen Hormontherapie ist nur eine Minderheit der Frauen auf Dauer zufrieden.
JN
Quelle: Marjoribanks J, Lethaby A, Farquhar C: Surgery versus medical therapy for heavy menstrual bleeding. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006 Issue 2

