Schlaflosigkeit ist eine der häufigsten Beschwerden in der allgemeinmedizinischen Praxis mit einer Prävalenz über alle Alterstufen von 40 Prozent. Mit den Jahren nimmt die Häufigkeit von Schlafstörungen noch zu, fast die Hälfte der über 65-Jährigen ist betroffen.Zum einen ist für die Steigerung sicher eine Zunahme der Häufigkeit von zugrundeliegenden Ursachen wie Schlafapnoe, Depressionen und Demenzen verantwortlich, zum anderen aber auch altersentsprechende Veränderungen im zirkadianen Rhythmus. Im Alter häufigere "Nickerchen" während des Tages könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Primäre Schlafstörungen müssen als chronisch remittierende Erkrankung verstanden werden, mit deutlich verminderter Lebensqualität und dem Risiko von Stürzen aufgrund der Schläfrigkeit am Tage. Auch das Risiko für Depressionen, Demenzen, Hypnotika-Missbrauch und Pflegebedürftigkeit steigt mit sinkender Schlafqualität.
Bei einem systematischen Review von Clinical Evidence fanden sich für sämtliche nicht-medikamentöse Interventionen kaum brauchbare Studien.
Lediglich von unbekanntem Nutzen sind:
- Kognitive Verhaltenstherapie - eine kleine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) ergab, dass Einzel- oder Gruppentherapie nach Behandlungsende und nach drei Monaten die Schlafqualität im Vergleich zu keiner Behandlung verbessert. Die Schlafstörungen verschwanden jedoch nicht komplett.
- Trainingsprogramme - ein kleiner RCT zeigte, dass sich durch ein moderates Ausdauertraining die Schlafqualität innerhalb eines 16-wöchigen Programms deutlich steigern lässt. Aber auch hier blieben Schlafstörungen - wenn auch reduziert - bestehen.
- Lichttherapie - bislang wurde die Anwendung heller Lichtquellen zur Korrektur des zirkadianen Rhythmus nicht in ausreichend großen Studien untersucht.
In der medikamentösen Therapie haben sich zwei Wirkstoffe als wahrscheinlich nützlich erwiesen:
- Zaleplon - in zwei großen RCTs verkürzte Zaleplon die Zeit bis zum Einschlafen, besserte aber weder die Schlafdauer, nächtliches Aufwachen noch die Schlafqualität nach sieben und 14 Tagen. Ein kleinerer RCT zeigte schnelleres Einschlafen und gering verlängerte Schlafdauer im Vergleich mit Placebo nach zwei Tagen. Beim Absetzen von Zaleplon kam es in zwei großen Studien zu einem Rebound der Schlaflosigkeit.
- Zolpidem - in mehreren RCTs verkürzte sich die Zeit bis zum Einschlafen und verringerte sich die Zahl nächtlicher Aufwachphasen. Die Schlafdauer verlängerte sich und die Schlafqualität stieg im Vergleich zu Placebo im Beobachtungszeitraum von einem Monat deutlich an. Zwischen den verfügbaren Dosierungen (5, 10, 20mg) konnte kein Unterschied in der Wirksamkeit festgestellt werden. Drei RCTs fanden gleiche Wirkung von Zolpidem und Triazolam.
Bei der Verschreibung von Benzodiazepinen (Quazepam, Flurazepam, Brotizolam, Nitrazepam, Triazolam) muss nach Meinung von Clinical Evidence zwischen Nutzen und Schaden abgewogen werden. Drei kleine RCTs zeigten mäßige Verbesserungen der Schlafqualität im Vergleich mit Placebo. Auf der anderen Seite litten das Gedächtnis und die Psychomotorik. Nach dem Absetzen kommt es zu Rebound-Phänomenen.
Die Schlafmittel Diphenhydramin und Zopiclon sind bei älteren Patienten noch nicht ausreichend untersucht und daher von unbekanntem Nutzen.
JN
Quelle: Danielle Dunne, Paul Montgomery: Insomnia in the elderly. In: Clinical Evidence 2006, 15:1-2.

