Die Schlaganfall-Spezialisten der American Heart Association haben pünktlich zum "US-amerikanischen SchlaganfallMonat Mai" ein Update ihrer Guidelines zur Primär-Prävention publiziert. Den Vorgaben gemäß, wurden sämtliche Empfehlungen mit dem Grad ihrer Evidenz ausgewiesen. Auf der Liste der Risikofaktoren und Interventionen finden sich neben alten Bekannten einige Newcomer.
Unbeeinflussbare Risikofaktoren
Erstmals auf der Liste der nicht zu beeinflussenden Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Familienanamnese) ist niedriges Geburtsgewicht: Babys mit 2,5 Kilogramm tragen gegenüber 4 Kilo-Babys demnach ein doppeltes Insult-Risiko im späteren Leben.
Eine Erklärung dafür haben die Autoren zwar nicht parat, mit Initiativen zur besseren Betreuung Schwangerer und Ernährungsprogrammen sollte dennoch sofort begonnen werden: "Die Dividende dafür wird sich in einigen Jahrzehnten mit Sicherheit auszahlen", so die Ansicht der Experten. Sparen tut jedenfalls Not: Die direkten und indirekten Folgekosten von Schlaganfällen in den USA werden für 2006 auf 57,9 Milliarden Dollar geschätzt.
Modifizierbare Risikofaktoren
Modifizierbare Risikofaktoren wurden nach der vorliegenden Evidenz in "gut dokumentiert" und "weniger gut dokumentiert" oder "möglicherweise veränderbar" eingeteilt:
- Unter den "gut dokumentierten" Risikofaktoren finden sich die Klassiker Hypertonie, Tabakrauchen, Passivrauchen, Bewegungsmangel, Vorhofflimmern, Atherosklerose der Karotiden und Herzinsuffizienz.
- "Weniger gut dokumentierte Evidenz" fand sich für das metabolische Syndrom, Alkoholkonsum, Drogenkonsum und die Pille bei Raucherinnen.
- Neu unter den "wahrscheinlich modifizierbaren" Risikofaktoren ist die Schlafapnoe, nach der in der Anamnese (Fremdanamnese) immer gefahndet werden sollte.
- Noch nicht genug Daten, um als Risikofaktor anerkannt zu werden - aber vielleicht im nächsten Update dabei - sind: Migräne, Entzündung und Infektionen.
Folgende "gut dokumentierte" Therapie-Empfehlungen werden erstmals gegeben:
- Alle Hochrisiko-Patienten (Diabetes, mehrere Risikofaktoren) sollten ein Statin erhalten.
- Frauen mit hohem Insultrisiko sollten auch in der Primär-Prävention Low-dose-ASS erhalten – die Risikoreduktion rechtfertigt mögliche Nebenwirkungen. Bei Männern ist die Evidenz weniger stark, aber sie profitieren wahrscheinlich auch.
- Hypertoniker sollten ihre Kaliumzufuhr erhöhen (>4,7g/Tag) und die Kochsalzzufuhr senken (<2,3g/Tag).
- Bei Kindern mit Sichelzellanämie sollten ab einem Alter von zwei Jahren regelmäßig transkranielle Doppler-Sonographien durchgeführt, und bei erhöhtem Insult-Risiko Transfusionen gegeben werden.
- Bei Erwachsenen mit Sichelzellanämie sollten Insult-Risikofaktoren bestimmt und so gut wie möglich therapiert werden.
- Patienten mit seltenen genetischen Ursachen für Atherosklerose und Insult sollten eine genetische Beratung erhalten.
Folgende schon länger bestehende Empfehlungen wurden bestätigt:
- Keine Hormontherapie (Östrogene mit oder ohne Progesteron) zur Primär-Prävention eines Insultes.
- Bei Hochrisiko-Patienten mit Vorhofflimmern sollte Antikoagulation erwogen werden.
- Kardiovaskuläre Erkrankungen, die das Insult-Risiko erhöhen, sollten behandelt werden (paVk, KHK, Herzinsuffizienz).
- Die Komponenten des metabolischen Syndroms (Übergewicht, niedriges HDL, hohe Triglyzeride, Hypertonie, Insulinresistenz) sollten so gut als möglich ausgeschaltet werden.
JN
Quelle:
Larry B. Goldstein, Robert Adams, Mark J. Alberts, et al: Primary Prevention of Ischemic Stroke. A Guideline From the American Heart Association/American Stroke Association Stroke Council: Cosponsored by the Atherosclerotic Peripheral Vascular Disease Interdisciplinary Working Group; Cardiovascular Nursing Council; Clinical Cardiology Council; Nutrition, Physical Activity, and Metabolism Council; and the Quality of Care and Outcomes Research Interdisciplinary Working Group. Stroke, published May 4, 2006.

