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Kalzium: Kinder brauchen keine Extraportion 

Ein systematisches Review suchte nach Evidenz dafür, dass die Supplementierung von Kalzium bei Kindern die Knochendichte erhöht und Frakturen verhindert. Das Ergebnis ist eindeutig.

Schokolade, so suggeriert die Werbung, ist für Kinder ein wahres Wundermittel, statt nur ein leckerer Dickmacher. Das enthaltene Kalzium soll Knochen stärken, und später im Leben, wenn die Osteoporose an ihnen nagt, folgenschwere Frakturen verhindern.

Aus dem gleichen Grund gilt Schulmilch als öffentliche Gesundheits­förderung und Kalzium-Tabletten sind traditionell eines der meist­verkauften Nahrungsergänzungsmittel. Tatsächlich konnte in einzelnen klinischen Studien eine verstärkte Knochenmineralisierung unter der Supplementierung nachgewiesen werden. Ob die Effekte aber über die Einnahme hinaus anhalten und das Frakturrisiko tatsächlich redu­zieren, untersuchten Mitarbeiter der Cochrane Collaboration jetzt erstmals anhand eines systematischen Reviews der gesamten Literatur aus den Jahren 1969 bis 2005.

Insgesamt 19 hochwertige, placebokontrollierte Studien mit 2.859 gesunden Kindern haben Kalzium-Ergänzung in verschiedenen Formu­lierungen und aus natürlichen Nahrungsquellen untersucht. Der Beo­bachtungszeitraum mit wiederholten Knochendichte-Messungen lag zwischen neun Monaten und sieben Jahren.

Schließlich kamen alle Studien zum gleichen Ergebnis: Erhöhte Kalzium-Zufuhr hat keinerlei Auswirkungen auf die Knochendichte des Schen­kelhalses oder der Wirbelsäule. Es zeigte sich ein geringer Anstieg der Gesamt-Knochendichte (+0,14% pro Jahr) und der Mineralisierung der Armknochen (+0,14%). Doch nur am Arm blieb der Nutzen auch über die Dauer der Supplementierung bestehen. Nach optimistischen Schätzungen würde jahrelange Erhöhung der Kalzium­zufuhr die absolute Frakturrate bei Kindern um 0,1 bis 0,2% jährlich reduzieren.

Die Ergebnisse waren unabhängig von der Ausgangs-Ernährungslage, dem Geschlecht, dem Stand der Pubertät, dem Level der körperlichen Aktivität und der Kalzium-Quelle. Es spielte auch keine Rolle, wie lange die Kinder Kalzium-Ergänzungsmittel oder wie viel davon sie ein­nahmen. Immerhin blieben die Nebenwirkungen ebenfalls unterhalb der Nachweisgrenze.

Die EBM-Experten halten es für erwiesen, dass der Knochenbau gesunder Kinder nicht durch eine Erhöhung der Kalziumzufuhr verbessert werden kann und entsprechende öffentliche Maßnahmen unnötig sind. Nicht einmal Kinder, deren Ernährungsanalyse eine zu geringe Kalziumzufuhr zeigte, profitierten davon. Die Ergebnisse könnten die Schulmilch nun bald wieder als zuckersüße Fettemulsion, und somit eher als eine Gefahr für die Knochen adipöser Kinder erkennbar machen. 

JN

Quelle: Winzenberg TM, Shaw KL, Fryer J, Jones G: Calcium suppelementation for improving bone mineral density in children. The Cochrane Database of Systematic Reviews, 2006, Issue 2.

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