Noch immer rätseln Pädiater, warum Säuglinge scheinbar grundlos aufhören zu atmen.Pro 1.000 Geburten liegt die Häufigkeit des Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) länderspezifisch unterschiedlich bei 0,4 in England, 0,5 in Deutschland, 0,6 in Österreich, 0,7 in den USA und 0,9 in Australien.
In den letzten beiden Jahrzehnten haben die Todesfälle dank Aufklärungskampagnen in der Bevölkerung stetig abgenommen. Am deutlichsten war der Effekt in den Niederlanden zu bemerken, wo die SIDS-Inzidenz von 0,91 Todesfällen pro 1.000 Geburten (1987) auf unter 0,3 gesunken ist und heute das niedrigste Niveau weltweit aufweist. Doch trotz aller Bemühungen bleibt SIDS die häufigste Todesursache bei Kleinkindern nach der Neonatalphase.
In den Präventionskampagnen werden ausschließlich die individuell modifizierbaren Risikofaktoren Bauchlage, Nikotin-Abusus, Nicht-Stillen und Überhitzung angesprochen. Doch auch andere Faktoren könnten für den deutlichen Rückgang verantwortlich sein. Zum Beispiel Verbesserungen in der Geburtshilfe, Einführung des Mutter-Kind-Passes, die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, Optimierung der Säuglingsnahrung und vieles mehr.
Ein Reviewer-Team von Clinical Evidence hat die gängigsten Ratschläge an junge Eltern nun einer EBM-Analyse unterzogen.
Als sicher nützlich gilt die Empfehlung, Bauchlage beim Schlafen zu vermeiden. Ein Review und zwölf Beobachtungsstudien haben eindeutige Erfolge von Kampagnen zur Verbreitung der Rückenlage bei Säuglingen nachgewiesen.
Wahrscheinlich nützlich ist das Rauchverbot im kindlichen Umfeld. In vier Beobachtungsstudien sank die Inzidenz durch entsprechende Empfehlungen. Allerdings waren dort auch noch andere Ratschläge gegeben worden, was die Evidenz limitiert. In zwei Studien konnte gezeigt werden, dass nationale Kampagnen zum Tabakverzicht bei Müttern tatsächlich zu einem Absinken mütterlichen Rauchens führen.
Alle anderen Ratschläge sind nach Ansicht von Clinical Evidence noch unbewiesen und daher lediglich von unbekanntem Nutzen:
- Der Rat, das Kind nicht mit ins elterliche Bett zu nehmen - war zwar in einer Beobachtungsstudie erfolgreich, aber nur als eine unter vielen Empfehlungen, deren Anteil am Erfolg nicht herausgefiltert werden kann. Insbesondere das Teilen des Bettes mit rauchenden Müttern steht im Verdacht, ein Risikofaktor zu sein.
- Der Rat, Überhitzung und sehr warme Bettdecken zu vermeiden - der spezifische Effekt konnte in Studien mit mehreren Empfehlungen nicht bemessen werden.
- Der Rat, besonders weiche Bettdecken zu vermeiden - keine Studien.
- Der Rat, lange zu stillen - kein spezifischer Effekt unter den anderen Ratschlägen feststellbar.
- Der Rat, einen Schnuller zu benutzen - ein systematisches Review fand nur unzureichende Evidenz für einen protektiven Schnuller-Nutzen.
JN
Quelle: Creery D., Mikrogianakis A.: Sudden infant death syndrome. In: Clinical Evidence 2006;15:1-2.

