Kopfläuse bewohnen als obligate Ectoparasiten bevorzugt die Kopfhaut von Schulkindern. Ihre Eier heften sie gebündelt als so genannte Nissen an den Haarschaft. Die sichere Diagnose wird dabei durch das Auffinden einer lebendigen Laus gestellt. Denn Nissen mit toten Eiern können wochenlang am Haar verbleiben, ohne eine Besiedelung zu verursachen.Die durchschnittliche Prävalenz der Kopflaus lag in rezenten Studien bei 8,9 Prozent, wobei an einzelnen Schulen auch 20 Prozent der Kinder befallen waren. Zu den erwiesenen Risikofaktoren zählen ein niedriger sozioökonomischer Status der Eltern (Risiko +25%), langes Haar (+20%) und Geschwister (+20%). Dass Kopfläuse ungewaschenes Haar dem gewaschenen vorziehen, konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
Meist werden die ungebetenen Gäste gar nicht bemerkt. Kot und Speichel der Tiere können jedoch die Kopfhaut reizen und Juckreiz verursachen. Ständiges Kratzen führt dann zu Verletzungen, die sich infizieren. Da die lästigen Biester ohne Behandlung nicht verschwinden, kommen spätestens dann verschiedene Anti-Laus-Shampoos und -Lotionen zum Einsatz. Clinical Evidence hat die verschiedenen Wirkstoffe nach ihrem in Studien erwiesenen Nutzen sortiert:
Wahrscheinlich nützlich sind nach Meinung der EBM-Experten:
- Malathion - eine Lotion mit Malathion erbrachte in einer randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) höhere Eradikationsraten als eine Phenothrin-Lotion. In einem weiteren RCT war Malathion erfolgreicher als die manuelle Läusekur mit dem Kamm. In einer Population mit hoher Insektizid-Resistenz war allerdings der Kamm überlegen.
- Permethrin - ein systematisches Review zeigte bessere Erfolge von Permethrin gegenüber Lindan.
Nur unzureichende Evidenz oder widersprüchliche Ergebnisse fanden sich für folgende Interventionen, die für Clinical Evidence daher von unbekanntem Nutzen sind:
- Kombinationen verschiedener Insektizide - keine validen RCTs zum Vergleich mit Monotherapien.
- Dimeticon - in einem RCT kein Unterschied zwischen 4% Dimeticon-Lotion und 0,5% Phenothrin.
- Kräuter - kein RCT hat bislang Kräuter-Produkte direkt mit Malathion, Permethrin, Phenothrin, Pyrethrum, Lindan oder Co-Trimoxazol verglichen. Ein RCT fand keinen Unterschied zwischen einem Kräutermix (Kokosnuss, Anis, Ylang Ylang) und einer Kombination verschiedener Insektizide (Permethrin plus Malathion). Allerdings lassen die in der Studie verwendeten Wirkstoff-Konzentrationen keinen direkten Vergleich zu.
- Lindan - ein systematisches Review zeigte geringere Wirksamkeit als Permethrin. Mit anderen Wirkstoffen liegt kein Vergleich vor. Wegen möglicher neurotoxischer Wirkungen wurde Lindan in einigen Ländern vom Markt genommen.
- Läusejagd mit dem Kamm - mechanische Entfernung der Läuse durch gewissenhaftes Auskämmen des nassen Haares ist einer Metaanalyse zufolge weniger erfolgreich als Malathion. In Regionen mit hohen Resistenzraten gegenüber Insektiziden ist der Kamm jedoch die überlegene Methode.
- Phenothrin - keine RCTs zum Vergleich mit Permethrin, Pyrethrum oder Lindan. Eine Studie fand Malathion überlegen, eine andere fand keinen Unterschied zwischen 0,5% Penothrin-Lösung und 4% Dimeticon-Lotion.
- Pyrethrum - keine RCTs
Zwischen Nutzen und Schaden muss abgewogen werden bei der Gabe von oralem Co-Trimoxazol (Trimethoprim plus Sulfamethoxazol). Ein RCT fand keinen Unterschied in Bezug auf die Läuse-Eradikation und Eier bei Monotherapien mit Co-Trimoxazol und topischem Permethrin. Die Kombinationsbehandlung war den Monotherapien jedoch überlegen. Der Preis: 25 Prozent der Kinder entwickelten unter Co-Trimoxazol einen heftigen Pruritus nach drei bis vier Tagen, der für ein bis drei Stunden anhielt. Zu den möglichen ernsten Nebenwirkungen gehören das Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme und hämatologische Störungen.
JN
Quelle: Burgess I.: Head Lice. In: Clinical Evidence 2006;15:1-2.

