Kopfverletzungen sind die häufigste Todesursache bei Unfällen. Zu den Ursachen zählen neben Verkehrsunfällen gewalttätige Auseinandersetzungen und Sportunfälle. Junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren sind wegen ihres risikofreudigeren Lebensstils hauptsächlich betroffen. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel tritt nach dem 70. Lebensjahr auf, wenn sich Stürze häufen.Schwere Kopfverletzungen markieren den Beginn eines progredienten enzephalopathischen Prozesses. In der Therapie kommt es darauf an, sekundären Hirnschaden aufgrund von zerebraler Ischämie, Hypotension, Hyperkapnie und erhöhtem Hirndruck zu vermeiden. EBM-Experten von Clinical Evidence haben die Behandlungsoptionen bei mittelschweren und schweren Kopfverletzungen (Glasgow Coma Scale < 8) nun einer kritischen Prüfung unterzogen.
Keine Intervention hat sich bislang in Studien als sicher nützlich zur Vermeidung von Folgeschäden erwiesen. Dennoch besteht fast schon ein Zwang, dem Schwerverletzen irgendwie zu helfen. Regelmäßig angewendete Optionen sind aber sämtlich von unbekanntem Nutzen, weil Studiendaten fehlen oder kaum Benefit zeigten.
Antibiotika-Prophylaxe hat bei Patienten mit Schädelfrakturen keinen Einfluss auf die Mortalität oder das Meningitis-Risiko. Hyperventilation, milde Hypothermie und Mannitol zur Senkung des intrakraniellen Drucks haben in Studien keinen eindeutigen Nutzen gezeigt.
Wahrscheinlich nicht nützlich ist laut Clinical Evidence die Gabe von Antikonvulsiva. Carbamazepin und Phenytoin konnten zwar frühe zerebrale Krampfanfälle verhindern, haben aber keinen Einfluss auf späte Krampfanfälle, das neurologische Defizit und die Mortalität.
Klar abgeraten wird von der Akutgabe von Glukokortikoiden. Die große CRASH-Studie zeigte einen Anstieg von Gesamtmortalität und schwerer Behinderung nach sechs Monaten bei Kopfverletzten, die direkt nach dem Unfall eine Methylprednisolon-Infusion erhielten.
JN
Quelle:
Maconochie I, Ross M: Head injury (moderate to severe). In: Clinical Evidence 2006; 15:1-2.

