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Lungenembolie: Lyse - ja oder nein?

Eine systemische Lysetherapie löst Thromben schneller auf als Heparin - zum Preis eines höheren Blutungs­risikos. Ob auch Patienten mit kleineren Lungenem­bolien von einer aggressiven Therapie profitieren, untersuchte nun ein systematisches Review.

Patienten mit nachgewiesener Lungenembolie droht zuneh­mender Lungenhochdruck, Rechtsherzbelastung, -insuf­fizienz und Tod. Bei großen, hämodynamisch wirksamen Pulmonalembolien muss der Blutfluss umgehend wieder­hergestellt werden, und der Beginn einer Lysetherapie wird nicht in Frage gestellt.

Bei kleineren Embolien und stabilen Patienten begnügen sich viele Kollegen jedoch mit einer Heparinisierung, weil sie Blutungen als Lyse-Komplikation befürchten. Ein Reviewer-Team der Cochrane Library hat jetzt Nutzen und Schaden der beiden Interventionen in einer Meta­analyse miteinander verglichen.

Es gibt ausreichend Evidenz dafür, dass Lyse mit Streptokinase, Uro­kinase oder rtPA (recombinant tissue plasminogen activator) einen Thrombus schneller auflöst als Heparin. Aber auf den Patienten scheint sich dieser Vorteil nicht zu übertragen: In acht randomisierten, kontrollierten Studien mit insgesamt 679 Patienten in stabilem Zustand fand sich kaum ein Unterschied zwischen den beiden Interventionen - im Guten wie im Bösen.

Für Lyse und Heparinisierung gilt:
  • Verringerung der Mortalität um elf Prozent (Odds Ratio/OR 0,89; 95% Konfidenz-Intervall 0,45 bis 1,78)
  • Risikoreduktion für eine weitere Embolie um 37 Prozent (OR 0,63; CI 0,33 bis 1,20)
  • Risiko schwerer Blutungen steigt um 61 Prozent (OR 1,61; CI 0,91 bis 2,86)
  • Risiko leichter Blutungen steigt um 98 Prozent (OR 1,98; CI 0,68 bis 5,75

Drei kleinere RCTs konnten einen höheren pulmonalen Blutfluss (Lun­genperfusions-Szintigraphie), bessere hämodynamische Werte, schö­nere Pulmonal-Angiographien und gesündere EKGs nach der Lyse im Vergleich zu Heparin zeigen. Auf Mortalität und Komplikationen wirkte sich dies jedoch nicht aus.

Die Autoren sehen sich außer Stande, eine der beiden Interventionen bei hämodynamisch stabilen Emboliepatienten definitiv zu empfehlen. Die Evidenz ist derzeit noch zu schwach, weitere RCTs werden drin­gend gebraucht. Auch hat bislang noch keine Studie den Outcome der Lyse mit chirurgischer Embolektomie verglichen.

JN

Quelle: Dong B, Jirong Y, Liu G et al: Thrombolytic therapy for pulmonary embolism. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2.

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