Bei chronischer Bronchitis und bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) gilt es in der Therapie vor allem Exazerbationen zu verhindern. Denn akute Exazerbationen haben großen Einfluss auf die Prognose; die COPD kann sich dadurch rapide und anhaltend verschlechtern. Sie sind meist Ursache von Spitalseinweisungen und hohen Therapiekosten.Durchschnittlich kommt es pro COPD-Patient zu jährlich 2,6 Episoden mit Symptom-Verschlechterung und purulentem Sputum. Mukolytika sollen helfen, den Bronchialschleim zu verflüssigen, das Abhusten zu erleichtern und Exazerbationen zu verhindern. In den aktuellen Leitlinien werden Schleimlöser derzeit nicht generell empfohlen. Basistherapie sind Bronchodilatatoren und inhalative Glukokortikoide.
Ein Cochrane-Review fand 26 Studien mit insgesamt 7.335 Patienten, die Mukolytika mit Placebo verglichen hatten. Pro Jahr konnten mit mukolytischer Therapie durchschnittlich 0,6 Exazerbationen verhindert werden, was einer Reduktion von 20 Prozent entspricht. Eine neuere Studie zeigte, dass Mukolytika insbesondere bei Patienten einen Vorteil bringen, die noch keine inhalativen Glukokortikoide erhalten. Bei ihnen konnte die Zahl der Exazerbationen mehr als halbiert werden. Auf die Lungenfunktion hatten Mukolytika keinen Einfluss; Nebenwirkungen blieben in allen Untersuchungen auf Placebo-Niveau.
Die Autoren der Metaanalyse bestätigen den Mukolytika abschließend einen kleinen protektiven Effekt bei chronischer Bronchitis und COPD. Bei Patienten mit häufigen Exazerbationen und Spitalseinweisungen ist ihre Anwendung daher empfehlenswert, insbesondere während der Wintermonate und wenn noch keine Basistherapie mit inhalativen Kortikosteroiden begonnen wurde.
JN
Quelle: Poole PJ, Black PN: Mucolytic agents for chronic bronchitis or chronic obstructive pulmonary disease. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

