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Multivitamine - nutzlos und gefährlich?

In den Vereinigten Staaten nimmt jeder Zweite täglich Vitamintabletten oder -säfte zu sich - und keiner weiß warum. US-Experten fanden kaum Studien über Nahrungsergänzungsmittel in der Primärprävention, warnen jedoch vor Überdosierung.

Ein unabhängiges Experten­gremium kam vor kurzem im Auftrag der National Institutes of Health (NIH) zusammen, um die gesamte verfügbare Evidenz über Sicherheit und Nutzen von Multivitamin- und Mineral-Nahrungsergänzungen (MVMs) kritisch zu sichten.

Nach zwei Tagen intensiver Beratungen fällte das Gremium sein Urteil: "Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in Amerika nimmt täglich Vita­mine und Mineral-Tabletten oder angereicherte Nahrungsmittel zu sich, und letztlich wissen wir nicht, ob sie davon profitieren", so der Vor­sitzende Dr. Michael McGinnis. "Wir sind dagegen eher besorgt, dass einige Menschen zu viel davon einnehmen."

Es fand sich keine Evidenz dafür, dass MVMs bei gesunden Er­wachsenen chronische kardiovaskuläre, renale, muskuloskeletale, endokrine, neurologische oder pulmonale Krankheiten verhindern. Lediglich für postmenopausale Frauen empfahl das Gremium Kombi­nationspräparate aus Vitamin D und Kalzium; bei Frauen im gebär­fähigen Alter die Einnahme von Folsäure zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten. Auch die Gabe von Antioxidantien und Zink bei nichtrauchenden Erwachsenen mit einer altersabhängigen Makulade­generation in mittlerem Stadium wird durch Studiendaten gestützt.

Genug negative Evidenz für eine klare Absage fand sich für Beta-Karotine bei Rauchern, die dadurch ihr Lungenkrebs-Risiko weiter erhöhen. Doch der Verzicht fällt leicht, da für Vitamin A ohnehin keinerlei positive Effekte nachgewiesen wurden.

Wegen des fehlenden Wirkungsnachweises und angesichts der konkreten Gefahr von Hypervitaminosen fordert die Behörde nun eine strengere Regulation von MVMs durch die Arznei- und Lebensmittel­behörden. Deren Nutzen und Sicherheit sollten umgehend in Studien untersucht werden. Insbesondere über Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sei bislang kaum etwas bekannt. Mögliche Nebenwirkungen sollten darüber hinaus auf der Verpackung abgedruckt sein.

Pro Jahr gibt die US-Bevölkerung 23 Milliarden Dollar für Multivitamin-Präparate aus. Hinzu kommen weitere 36 Milliarden für angereicherte Getränke oder Nahrungsmittel.

JN

Quelle: McGinnis M et al: Evidence Report: Multivitamin/Mineral Supplements and Prevention of Chronic Disease. National Institutes of Health; May 2006, Publication No. 06-E012

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