Nur zwei Studien haben bislang versucht, den Nutzen gewissenhafter Zungenreinigung zu objektivieren. Bei insgesamt 40 Teilnehmern wurde nach normalem Zähneputzen oder nach Putzen plus Zungenreinigung mit dem Spezialwerkzeug die Schwefelbelastung der Ausatemluft gemessen.Gegenüber den Ausgangswerten vor der Mundhygiene ergab eine der Arbeiten eine Reduktion von 40 bis 42 Prozent mit der Zungenbürste bzw. minus 33 Prozent durch traditionelle Zahnreinigung – ein kleiner, aber statistisch signifikanter Vorteil. Allerdings war der Benefit der Zungenreinigung schon 30 Minuten später nicht mehr nachweisbar.
In der anderen Studie reduzierten sich die Schwefelwerte mit Zungenreinigung um 75 Prozent, alleinige Zahnreinigung führte lediglich zu einer Halbierung.
Auch blieb die Zungenreinigung nicht ohne Nebenwirkungen: Bei 60 Prozent der Probanden löste das Schrubben der Zunge regelmäßig Übelkeit aus, und bei jedem Zehnten entdeckten die Wissenschafter nach längerem Gebrauch Traumata am Zungenepithel.
Zungenreinigung zur Halitosis-Therapie ist also wirksam, aber die Effekte sind – ebenso wie die Evidenz – nur schwach und schon nach kurzer Zeit verflogen. Die Reviewer bedauern, dass Zungenbürsten bislang nur gegen Zahnbürsten getestet wurden, und noch keine Head-to-Head-Studien mit Mundwässern, der aktuellen Standardtherapie, verfügbar sind.
JN
Quelle: Outhouse TL, Al-Alawi R et al: Tongue scraping for treating halitosis. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2.

