Musik ist Balsam für die Seele - und wirkt offensichtlich auch beruhigend auf die somatische Schmerzverarbeitung. EBM-Experten der unabhängigen Cochrane Collaboration haben den analgetischen Effekt von Musik nun in konkrete Zahlen zu fassen versucht.In ihrer Metaanalyse waren 51 randomisierte, kontrollierte Studien eingeschlossen, in denen 1.867 Patienten zusätzlich zu ihrer Schmerz-Medikation auch Musik verabreicht worden war. 1.796 Patienten in den Kontrollgruppen hatten hingegen nur dem Summen der Monitore und ihren Zimmergenossen gelauscht.
Bei der Datenanalyse ergab sich eine starke Heterogenität zwischen den Studien, die eine gemeinsame Beurteilung unmöglich machte. Einigkeit herrschte jedoch in Arbeiten, die nur bei postoperativen Patienten durchgeführt wurden: Hier konnte der Schmerz durch die Beschallung auf einer Skala von 1 bis 10 signifikant um 0,5 Punkte gesenkt werden. Vier Studien berechneten die Anzahl der Patienten, deren Schmerzen um mindestens 50 Prozent abgenommen hatten.
In der Musik-Gruppe gelang dies mit einer 70 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit.
Mit einem Numbers-Needed-to-Treat-Wert von 5 für einen Benefit lohnt sich die Musikanlage in jedem Mehrbettzimmer. Und auch das Radio im Aufwachraum macht sich wirtschaftlich schnell bezahlt: Patienten unter Musikeinfluss verbrauchen innerhalb der ersten beiden Stunden nach einer Operation im Durchschnitt 1mg weniger an Opiaten (-18,4%); in den ersten 24 postoperativen Stunden waren es 5,7mg (-15,4%) weniger.
Pop, Rock oder doch Klassik?
"Musikhören reduziert die Schmerzen und hilft den Opioid-Verbrauch einzuschränken", so das Fazit der Autoren. "Wegen des geringen klinischen Effektes kommt Musik als First-Line-Therapie zwar nicht in Frage, aber die geringen Kosten und hohe Sicherheit machen sie zur sinnvollen Begleitmedikation."
Zwischen bestimmten Musikstilen konnte kein Unterschied gefunden werden, so dass die Frage nach dem besten Song gegen Zahnschmerz weiter offen bleibt. Die Rolle des DJ sollte jedenfalls vom Arzt persönlich übernommen werden, denn vertraute Musik ist analgetisch weniger potent. Wenn sich die Patienten ihre Musik selbst aussuchen durften, sank der Schmerz - statistisch nicht signifikant - um nur 0,2 Punkte ab.
JN
Quelle: Cepeda MS, Carr D et al: Music for pain relief. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2.

