Der endgültige Opiat-Entzug nach einer Methadon-Behandlung ist oft langwierig und schmerzhaft. Eine Möglichkeit, die Entgiftung zu beschleunigen, ist die Gabe von Opioid-Antagonisten. Doch der zusätzliche Wirkungsabfall am Rezeptor verstärkt die Entzugssymptomatik so sehr, dass starke Sedierung oder Anästhesie notwendig sind. Reviewer der Cochrane Collaboration haben die Methode auf ihre Evidenz überprüft.Sechs randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 834 Patienten haben den Opioid-Entzug mit Antagonisten bislang untersucht. Dabei zeigte sich eine deutliche Zunahme der Entzugssymptomatik, aber auch eine deutliche Verkürzung der Entzugsdauer im Vergleich zu einer Entgiftung mittels kontinuierlicher Dosisreduktion.
Der Level der Sedierung hatte keinen Einfluss auf Intensität und Dauer des Entzugs. Das Risiko unerwünschter Ereignisse steigt jedoch unter tiefer Sedierung im Verglich mit leichter Sedierung an (Relatives Risiko / RR 3,21) – und wahrscheinlich auch im Vergleich zu den anderen Entzugsmethoden.
Die Reviewer kommen zu dem Schluss, "dass der Opiat-Entzug mit Antagonisten wegen der Notwendigkeit einer tiefen Sedierung oder
Anästhesie und deren möglicherweise lebensgefährlichen Nebenwirkungen nicht empfohlen werden kann. Auch wegen der hohen Kosten der Anästhesie und der vermeidbaren Belegung von Intensiv-Betten sollte die Methode nicht weiter verfolgt werden."
JN
Quelle: Gowing L, Ali R, White J: Opioid antagonists under heavy sedation or anaesthesia for opioid withdrawal. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (2) 2006.

