Die schmerzliche Erfahrung einer Mittelohr-Entzündung muss fast jedes Kind einmal machen - nicht wenige Kinder auch mehrmals, begünstigt beispielsweise durch Polypen. Diese rekurrierenden Otitiden sind nicht nur lästig, sie erhöhen auch die Gefahr einer Chronifizierung und das Risiko von Komplikationen wie Hörverlust oder Taubheit.Viele Ärzte verschreiben ihren kleinen Patienten in der akuten Phase der Infektion ein Antibiotikum. Ob die längerfristige Antibiotika-Gabe vor einem erneuten Auftreten der Krankheit schützt, hat die Cochrane Collaboration zuletzt in einem Review beleuchtet.
16 Studien mit insgesamt 1.483 Kindern flossen in die Analyse ein, sieben davon beschäftigten sich explizit mit Kindern, bei denen eine Prädisposition für wiederholte Mittelohr-Entzündungen bekannt war. Das wichtigste Einschlusskriterium war, dass die Studienteilnehmer zumindest sechs Wochen prophylaktisch mit Antibiotika behandelt worden waren.
Die Ergebnisse zeigten eindeutig einen präventiven Effekt: So reduzierte sich unter der Langzeit-Therapie die Zahl der Episoden einer akuten Otitis media von drei auf 1,5 pro Jahr. Die Cochrane-Experten gehen davon aus, dass der Benefit bei Kindern mit einem hohen Risiko für Mittelohr-Entzündungen noch großer sein dürfte. Obwohl die verabreichten Antibiotika relativ selten zu Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen oder Durchfall führten, sprechen die Autoren keine klare Therapie-Empfehlung aus.
Nutzen der Behandlung, potenzielle Nebenwirkungen sowie die Gefahr einer Resistenz-Entwicklung bei langfristiger Antibiotika-Gabe müsse man von Fall zu Fall sorgfältig gegeneinander abwägen, so ihr Fazit.
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Quelle: Leach AJ, Morris PS: Antibiotics for the prevention of acute and chronic suppurative otitis media in children. In: Cochrane Database of Systematic Reviews (4) 2006.

