Überdosierungen mit Paracetamol erfolgen meist in selbstmörderischer Absicht. In konkreter Gefahr ist jedoch zunächst nur die Leber der Patienten, denn Paracetamol ist in hohen Dosen hepatotoxisch.Die Notfall-Maßnahmen zielen darauf ab, die enterale Resorption der Schmerztabletten zu verringern und bereits aufgenommenes Paracetamol aus dem Blutkreislauf zu eliminieren.
Mitarbeiter der Cochrane Collaboration fanden zehn kleinere randomisierte Studien (RCTs) und 48 Beobachtungsstudien zum Thema Paracetamol-Vergiftung in den medizinischen Datenbanken. Ihren Analysen zufolge kann die Resorption mit Aktivkohle, Magenspülungen und Ipecacuanha signifikant reduziert werden. Ob dies jedoch auch einen klinischen Benefit für den Patienten hat, ist unklar. Von den drei Erst-Maßnahmen wies Aktivkohle das günstigste Risikoprofil auf. Allerdings setzt ihre Gabe eine gewisse Compliance des Patienten voraus.
Die Gabe von N-Acetylcystein war in Studien der Behandlung mit Demercaprol und Cysteamin überlegen. Studien zum Vergleich der verschiedenen Behandlungsprotokolle mit N-Acetylcystein liegen noch nicht vor. Ein Vergleich von N-Acetylcystein und Methionin steht ebenfalls noch aus. Für andere Antidote gibt es derzeit keine Evidenz.
N-Acetylcystein reduzierte die Mortalität bei Patienten mit fulminantem Leberversagen in einer Studie um 74 Prozent (OR 0,26; 95%-CI 0,09-0.94). Ebenfalls lebensrettend ist eine Lebertransplantation bei irreversibel geschädigter Leber. Doch welche Patienten davon profitieren. ist unklar, denn Studien zu Selektionskriterien und Langzeitergebnissen fehlen. Angesichts der Häufigkeit von Paracetamol-Vergiftungen beklagen die Cochrane-Autoren die recht magere Evidenz zum Thema. Vorliegende RCTs seien zu klein und von schlechter methodologischer Qualität. „Zu viele Fragen bleiben offen“, so ihre Bilanz.
JN
Quelle: Brok J, Buckley N, Gluud C: Interventions for paracetamol (acetaminophen) overdose. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (2) 2006.

