Seit der Entdeckung des Zusammenhangs von bakterieller Besiedelung und Eiter werden Patienten traditionell am Vortag der Operation im Schnittbereich rasiert, um Infektionen zu verhindern. Doch die prophylaktische Routine hat auch Kritiker, die gerade in der Rasur ein Infektionsrisiko sehen.Um der Diskussion ein Ende zu bereiten, haben Reviewer der Cochrane Collaboration zuletzt die gesamte Literatur nach Studien zur Haarentfernung in der OP-Vorbereitung durchsucht.
In elf prospektiven Arbeiten mit insgesamt 625 Patienten wurde die Haarentfernung mittels Nassrasur oder Enthaarungscreme mit unterlassener Haarentfernung verglichen. Dabei konnte kein Unterschied bei den Wundinfektionen gefunden werden. In drei Studien mit mehr als 3.000 Patienten ergab sich ein deutlicher Vorteil der Haarentfernung unter Verwendung eines elektrischen Langhaarschneiders: Gegenüber der klassischen Nassrasur waren Wundinfektionen um 50 Prozent seltener. In Vergleichsstudien mit Nassrasierer und Enthaarungscreme waren Infektionen in allen Gruppen gleich häufig. Mehrere Studien suchten nach dem optimalen Friseurtermin, fanden aber keinen Vorteil einer Rasur am Vortag gegenüber der Entfernung unmittelbar vor der OP.
"Die vorliegende Evidenz spricht dafür, dass es keinen Einfluss auf die Rate von Wundinfektionen hat, ob die Körperhaare entfernt werden, oder nicht", so die Reviewer in der Zusammenschau ihrer Daten. "Wenn sie aber doch entfernt werden sollen, ist ein Elektro-Langhaarschneider besser als ein Nassrasierer mit Klinge." Zur sicheren Einschätzung des Stellenwertes von Enthaarungscremes fand sich noch zu wenig Evidenz.
JN
Quelle: Tanner J, Woodings D et al: Preoperative hair removal to reduce surgical site infection. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2.

