Seit kurzem kann auch in Europa die Abnehmpille Rimonabant für Übergewichtige ab einem BMI von 27,5 verschrieben werden. Der Wirkstoff greift als erster in das Endocannabinoid-System ein und hemmt zentral den Appetit. In seinen Zulassungsstudien bewirkte Rimonabant einen signifikanten Gewichtsverlust und günstige Beeinflussung gefäßrelevanter Laborwerte. Reviewer der Cochrane Collaboration wollen in der Gesamtschau der verfügbaren Daten aber nicht an die lang ersehnte Wunderpille glauben.In vier Studien verloren die insgesamt 6.625 Patienten mit hypokalorischer Diät und 20mg Rimonabant innerhalb eines Jahres durchschnittlich 4,9 Kilogramm mehr als unter Placebo. Bauchumfang, systolischer Blutdruck, HDL und Triglyzeride besserten sich signifikant. Die Einnahme von 5mg Rimonabant über ein Jahr bewirkte lediglich einen zusätzlichen Gewichtsverlust von 1,3 Kilogramm und ließ Lipid- und Blutdruckwerte unbeeinflusst. Unter der wirksameren hohen 20mg-Dosis kam es aber zu deutlich mehr psychiatrischen, neurologischen und gastrointestinalen Nebenwirkungen. Die Abbrecherquote lag nach einem Jahr bei fast 40 Prozent.
Das Fazit der EBM-Experten: Rimonabant kann einen mäßigen Gewichtsverlust von fünf Prozent innerhalb eines Jahres bewirken, der für die Gesundheit möglicherweise von Vorteil ist. Diese Resultate sind jedoch mit einiger Vorsicht zu interpretieren, da die Studien methodologisch nicht einwandfrei waren. Bevor eine evidenzbasierte Empfehlung ausgesprochen werden kann, sind Studien mit längerem Follow-up und höherer Qualität notwendig. Das tatsächliche Verhältnis von Nutzen und Risiko ist derzeit noch unbekannt.
JN
Quelle: Curioni C, André C: Rimonabant for overweight or obesity. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (4) 2006.

