Dass das ungeborene Kind von plötzlicher Anstrengung nichts bemerkt, kann ausgeschlossen werden: In physiologischen Untersuchungen stieg bei kurzer, starker Steigerung des Herzminuten-Volumens von Schwangeren auf dem Fahrrad-Ergometer auch die fetale Herzfrequenz. Wie sich das intrauterine Ausdauertraining auf Schwangerschaftsdauer und Geburt auswirkt, wollte nun eine Metaanalyse klären.Die systematische Datenbank-Recherche ergab elf Studien mit insgesamt 472 gesunden Frauen, die zumindest zwei- bis dreimal pro Woche während ihrer Schwangerschaft ein aerobes Trainingsprogramm absolvierten. Zu den bevorzugten Sportarten gehörten Schwimmen, Radfahren (indoor) und Bodengymnastik. Wie die Reviewer beklagen, waren die Studien jedoch sehr klein und nur von geringer methodologischer Qualität.
Fünf der Untersuchungen bestätigen den Müttern signifikant steigende Fitness durch das Training. Das gepoolte Risiko aus sieben Studien für eine Frühgeburt stieg dabei um 82 Prozent - allerdings nicht signifikant. Gegen die These einer verkürzten Schwangerschaftsdauer spricht auch, dass das Gestationsalter der Kinder sich nicht veränderte (durchschnittlich +0,3 Wochen; 95% CI -0,2 bis +0,9 Wochen).
Die Wachstums-Daten der Feten unterschieden sich in den Studien erheblich, so dass eine gemeinsame Analyse unmöglich war. Eine kleinere Studie mit Frauen, die ihr Trainingspensum zu Beginn der Schwangerschaft stark steigerten und gegen Ende immer weiter reduzierten, fand im Vergleich zur Kontrollgruppe schwerere Neugeborene und größere Plazenten.
Das etwas unbefriedigende Fazit des Reviews: Die Auswirkungen von Ausdauertraining auf die Schwangerschaft und ihr Ergebnis können mangels Daten nicht abschließend beurteilt werden. Immerhin: Die Steigerung der mütterlichen Fitness darf als erwiesen gelten.
JN
Quelle: Kramer MS, McDonald SW: Aerobic exercise for women during pregnancy. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

