Heiße, feuchte Luft ist seit jeher ein beliebtes Hausmittel bei banalen Erkältungen. Die Patienten versprechen sich dadurch ein Abschwellen der Nasenschleimhaut und leichtere Drainage des Schleims. Einige Forscher sind ebenfalls Inhalations-Fans, denn im Labor konnte dem Erkältungsvirus auf diese Weise der Garaus gemacht werden. Evidence-Based-Medicine(EBM)-Experten der Cochrane Collaboration glauben jedoch nur den Fakten und durchsuchten die medizinischen Datenbanken nach klinischen Studien.
Von sechs Studien fanden drei eine Besserung der Beschwerden um durchschnittliche 69 Prozent direkt nach der Inhalation - gemessen allerdings anhand recht fragwürdiger Scores. Eine Studie aus den USA wies eine Verschlechterung des nasalen Widerstandes nach; eine israelische Arbeit zeigte dagegen eine Verbesserung dieses Parameters. Ein Vergleich der Viruslast und der Antikörper-Titer im Nasensekret zeigte keinen Unterschied zwischen Inhalation und einer Placebo-Inhalation.
Einige der Studien dokumentierten Unwohlsein während der Prozedur und Irritationen an Nase und Lippen. In einem Sommer wie diesem dürften Schweißausbruch und Hitzegefühl wohl noch deutlicher ausgeprägt sein als beim Erkältungskampf im Winter.
Für die Reviewer steht fest: Solange keine weiteren Studien vorgelegt werden, sind Inhalationen bei Erkältung nur heiße Luft.
JN
Quelle: Singh M: Heated, humidified air for the common cold. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

