Ergebnisse aus randomisierten, kontrollierten klinischen Studien (RCTs) mit harten Endpunkten sind die Basis der evidenzbasierten Medizin (EBM). Aber wie objektiv sind deren Daten? Schon im Jahr 2000 hatte ein Harvard-Review zeigen können, dass das Ergebnis einer Überlegenheitsstudie eher positiv ausfiel, wenn ein börsennotiertes Unternehmen die Arbeit finanziert hatte, als wenn die Gelder aus Non-Profit-Unternehmen stammten. Nach fünf Jahren wurde dieser Zusammenhang nun erneut untersucht - und es hat sich nichts verändert.Das Reviewer-Team suchte sich sämtliche Studien aus den Fachjournalen JAMA, The Lancet und dem New England Journal of Medicine heraus, die eine neue kardiovaskuläre Therapie mit Placebo oder Standardtherapie verglichen hatten. Von den 104 Studien, die von Non-Profit-Organisationen finanziert wurden, fanden 51 (49 Prozent) signifikante Vorteile der Innovation gegenüber der Standardtherapie, während 51 Prozent negative Ergebnisse hatten.
Im Gegensatz dazu fanden 92 von 137 (62 Prozent) industriegesponsorten Studien ihr neues Behandlungskonzept überlegen. Unter den 62 gemischt finanzierten Arbeiten lag die Erfolgsquote etwa in der Mitte bei 56,5 Prozent (35 positive Ergebnisse). Unter den 200 RCTs, die ein neues Medikament testeten, lag die Rate an günstigen Ergebnissen bei 39,5 Prozent in öffentlich finanzierten Studien, bei 54,4 Prozent in gemischt finanzierten und bei 65,5 Prozent, wenn ein Profit-Unternehmen dahinter steckte. Die Positiv-Rate in 39 Studien mit Geräten (Schrittmacher etc.): 50 Prozent bei Non-Profit-, 69,2 Prozent bei gemischter und 82,4 Prozent bei industrieller Finanzierung.
Unabhängig von der Geldquelle hatten Studien mit Surrogatmarkern als Endpunkt (Angiographie, intravaskulärer Ultraschall, Laborwerte etc.) häufiger positive Ergebnisse (67 Prozent), als wenn klinische Ereignisse als Endpunkt gewählt wurden (54,1 Prozent).
Die Reviewer bilanzieren, dass abhängig von der Finanzierung mehr oder weniger positive Studienergebnisse erbracht werden: Profit-Unternehmen am meisten und Non-Profit am wenigsten, die gemischte Finanzierung in der Mitte. Die Autoren vermuten hinter ihren Ergebnissen jedoch keine Schönung von Daten. Viel eher stecke die Tatsache dahinter, dass die Industrie selten Geld in aussichtslose oder finanziell riskante Untersuchungen einbringt.
JN
Quelle:
Paul Ridker, Jose Torres: Reported Outcomes in Major Cardiovascular Clinical Trials Funded by For-profit and Not-for-Profit Organizations: 2000-2005. In: JAMA 2006;295:2270-2274.

