Das Risiko, nach einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA) einen Schlaganfall mit bleibendem neurologischem Defizit zu erleiden, liegt pro Jahr zwischen vier und elf Prozent. Mit Acetylsalicylsäure (ASS), so haben zurückliegende Studien gezeigt, kann dieses hohe Risiko um höchstens 20 Prozent gesenkt werden.In der Sekundär-Prävention des Herzinfarktes wird mit oraler Antikoagulation eine Verdoppelung des Infarktschutzes erreicht. Ein Cochrane-Review untersuchte nun, ob Cumarine ebenso effektiv vor einem zweiten Insult schützen.
Fünf Studien mit insgesamt 4.076 Patienten genügten den hohen Qualitätsansprüchen der Reviewer und wurden in die Metaanalyse einbezogen. Sie alle hatten ASS mit Antikoagulation verschiedener Intensitäten verglichen - aber keine signifikanten Unterschiede in der Effektivität feststellen können.
Antikoagulation mit mittlerer Intensität (INR 2,1-3,6) erzielte einen nicht signifikant besseren Schutz von vier Prozent gegenüber niedrig dosiertem ASS. Dafür war das Risiko schwerer Blutungen gegenüber der einfachen Plättchenhemmung um 19 Prozent erhöht. Stärkere Antikoagulation mit einem INR zwischen 3 und 4,5 ergab auch keinen besseren Insultschutz, aber ein neunfach erhöhtes Risiko für schwere Blutungskomplikationen.
In der Sekundärprävention von Insulten vaskulärer Genese nach einer TIA kann eine orale Antikoagulation nach der derzeit vorliegenden Evidenz also nicht generell empfohlen werden. Falls doch eine Marcumarisierung erwogen wird, sollte sie im Rahmen von Studien erfolgen. Das Fazit der Reviewer: "Antikoagulation mit niedriger Intensität ist nicht wirksamer als Aspirin, und höhere Dosierungen sind wegen des Blutungsrisikos in dieser Indikation zu unsicher."
JN
Quelle:
Algra A, De Schryer EL et al: Oral anticoagulants versus antiplatlet therapy for preventing further vascular events after transient ischaemic attack or minor stroke of presumed arterial origine. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

