Neuropathischer Schmerz, meist Folge eines peripheren Nervenschadens, ist medikamentös nur schwer in den Griff zu bekommen. Die brennenden, einschießenden Schmerzen reagieren kaum auf NSAR, und auch die häufig eingesetzten Antikonvulsiva oder Antidepressiva haben nur mäßigen Erfolg.Am aussichtsreichsten ist noch die Gabe des milden Opioids Tramadol. Mitarbeiter der Cochrane Collaboration haben seine Wirksamkeit bei peripherem Nervenschmerz nun anhand der vorhandenen Literatur genau bestimmt.
In vier randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs) wurde Tramadol mit Placebo, Clomipramin und Morphin verglichen. Alle vier RCTs (269 Patienten) bescheinigten Tramadol 100-400mg gegenüber Placebo eine signifikante Besserung der Nervenschmerzen. Um bei einem Patienten eine Schmerzlinderung von mindestens 50 Prozent zu erreichen, müssen 3,8 Patienten mit Tramadol behandelt werden (Numbers Needed to Treat/NNT). Für eine abschließende Beurteilung der Wirksamkeit gegenüber Clomipramin und Morphin liegen noch zu wenige Daten vor.
In einer der Studien wurde die Wirkung auf Subkategorien des neurophatischen Schmerzes untersucht: Tramadol wirkte demnach am besten auf Parästhesie, Allodynie und Berührungsschmerz. Nebenwirkungen, die zum Absetzen von Tramadol führen (Verstopfung, Sedierung, Übelkeit), sind bei rund jedem achten Patienten zu erwarten (Numbers Needed to Harm/NNH). Darüber hinaus besteht ein geringes Risiko von Krämpfen bei Patienten mit Epilepsie in der Anamnese. Das Fazit der Reviewer: "Tramadol ist eine effektive Behandlung für neuropathischen Schmerz."
JN
Quelle: Hollingshead J, Dühmke RM: Tramadol for neuropathic pain. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews (3) 2006.

