Verbrennungen ersten Grades betreffen nur die Epidermis. Nach dem Unfall - meist in Küche oder Badezimmer - kommt es zu Rötung, Schmerzen und Hypersensitivität; innerhalb von Stunden bilden sich Blasen. Sofern keine Infektion auftritt, heilt die Wunde ohne Narbenbildung nach zwei bis drei Wochen vollständig ab. Wie häufig kleinere Verbrennungen sind, kann nur geschätzt werden, aber die Inzidenz ist vermutlich gewaltig. Die beste Evidenz findet sich für das Naheliegende: Die Kühlung der betroffenen Hautstelle reduziert signifikant Schmerzen und Ödembildung. Die optimale Kühlungszeit liegt dabei zwischen 20 und 30 Minuten und sollte unter fließendem Leitungswasser erfolgen (Temperatur zwischen fünf und 25 Grad Celsius). Der Gebrauch von Eiswasser oder noch längere Kühldauer ist nicht empfehlenswert, da Hypothermie die Gewebsschädigung vertieft.
Darüber hinaus konnte keine Therapie in Studien wirklich überzeugen. Lediglich von unbekanntem Nutzen für das Verbrennungsopfer sind folgende Optionen:
- Antibiotika - keine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) hat den Wert einer topischen Antibiotika-Prophylaxe bislang mit Placebo verglichen.
- Verbände mit Chlorhexidin - zwei RCTs haben Chlorhexidin-imprägnierte Wundverbände mit Hydrokolloid-Verbänden verglichen und konnten keinen signifikanten, objektiven Unterschied bei der Wundheilung feststellen. Subjektiv favorisierten Behandler und Patienten jedoch den Hydrokolloid-Verband. In einem RCT erhöhte Chlorhexidin die Schmerzen und Wundheilungszeit im Vergleich mit einem Polyurethan-Film. Eine weitere Studie berichtete über höheren Schmerzmittelverbrauch gegenüber einer Behandlung mit Jod-Verbänden.
- Hydrokolloid-Verband - kein objektivierbarer Unterschied zu Chlorhexidin-Verbänden in zwei RCTs; lediglich subjektive Präferenz von Arzt und Patient. Ein RCT zeigte kürzere Wundheilungszeit, weniger Schmerzen und eine Verkürzung der Zeit eingeschränkter Alltagsaktivität gegenüber der Behandlung mit Silber-Sulfadiazin-Creme plus Mullbinde.
- Parafin-Gaze-Verbände - ein RCT fand keinen Unterschied zum Polyurethan-Film.
- Polyurethan-Film - kein Unterschied zu Parafin-Gaze. In einem RCT konnten weniger Schmerzen und verkürzte Wundheilung gegenüber Chlorhexidin-Verbänden gezeigt werden.
- Silikon-beschichtetes Nylon - zwei RCTs bei Kindern zeigten schnellere Wundheilung verglichen mit Silber-Sulfadiazin-Creme unter dem Mullverband. Ein Silikon-Gitter unter dem Verband reduzierte in einem weiteren RCT die Schmerzen innerhalb der ersten fünf Tage im Vergleich mit Silber-Sulfadiazin-Creme.
Wahrscheinlich nicht nützlich oder schädlich ist für die EBM-Experten die Behandlung mit Silber-Sulfadiazin-Creme. Gegenüber Placebo konnte für den Wirkstoff nie ein Vorteil bewiesen werden und im Vergleich mit anderen Brandverbänden schnitt die Silber-Creme stets schlechter ab.
JN
Quelle: Wasiak J, Cleland H: Burns (minor thermal). In: Clinical Evidence 2006;14:1-3.

