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Weisheitszähne - alles muss raus? 

Kaum ein Mitteleuropäer, der noch alle sein Eigen nennt - fleißige Zahnärzte haben Weisheitszähne an den Rand des Aussterbens gebracht. Ein Reviewer-Team von Clinical Evidence suchte nun nach einem erwiesenen Vorteil des prophylaktischen Kahlschlags. 

Weisheitszähne brechen bei den meisten Menschen zwischen dem 18. und 24. Lebensjahr als letzte, dritte Molaren hervor. Sollte für ihren kompletten Durchbruch kein Platz mehr im Kiefer vorhanden sein oder sich der Zahn in abnormer Position entwickeln, bleibt er ganz oder teilweise im Kiefer verborgen.

Nach letzten Erhebungen aus dem Jahr 1988 in Schweden tragen - oder besser: trugen - 72 Prozent aller 20-Jährigen einen solchen impaktierten dritten Molaren im Munde. Seither, so vermuten Experten, ist ihre Prävalenz wegen insgesamt weicher gewordener Kost noch weiter angestiegen.

Impaktierte Weisheitszähne können unter ungünstigen Umständen Schmerzen, Schwellungen und Infektionen verursachen. Sie sind auch in der Lage, angrenzenden Zähnen und Knochen erheblichen Schaden zuzufügen. Um dieses Szenario zu verhindern, werden verdächtige Weisheitszähne nach radiologischem Zufallsbefund fast schon routinemäßig entfernt. Zahnextraktionen machen heute 90 Prozent der Arbeit von Kieferchirurgen aus und rangieren unter den Top 10 aller ambulanten Eingriffe.

Ein Team von Clinical Evidence machte sich auf die Suche nach Studien, die die prophylaktische Extraktion eines impaktierten, aber symptomlosen Weisheitszahns rechtfertigen könnten.

Evidenz als Mangelware
In zwei randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs) fand sich keinerlei Vorteil einer Extraktion gegenüber keiner Extraktion. Insbesondere für eine Verschiebung der Zahnreihe beim Durchbruch konnte kein Anhalt gefunden werden. Eine Überblicksarbeit riet davon ab, tief gelegene Weisheitszähne ohne lokale oder systemische Pathologie zu ziehen, da Komplikationen mit der Tiefe des Zahns zunehmen (Nervenschäden bei 1% mit permanenter Taubheit von Teilen der Unterlippe und Zunge). Die Komplikationsrate der Operation war unabhängig davon, ob der Zahn Beschwerden bereitet oder nicht.

Die Reviewer räumen ein, dass es im Fall der prophylaktischen Zahnextraktion zu viel verlangt wäre, Evidenz nur aus RCTs zu erwarten. Wegen der geringen Inzidenz von Komplikationen müssten Tausende Studienteilnehmer über Jahrzehnte beobachtet werden, um signifikante Ergebnisse zu erhalten.

Aus kleineren Untersuchungen, Guidelines und Expertenmeinungen ergibt sich ein Bild, das die Extraktion eines gesunden Weisheitszahns bei folgenden Gegebenheiten als möglicherweise sinnvoll erscheinen lässt:

  • Karies des Nachbarzahnes, der ansonsten nicht behandelt werden kann
  • Vorliegen einer Parodontaltasche distal des zweiten Molaren
  • Resorption der distalen Wurzel des Nachbarzahnes, verursacht durch den Weisheitszahn.



JN

Quelle: Marco Esposito: Impacted wisdom teeth. Clinical Evidence 2006;15:1-2.
 

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